30 Jahre Notruf für Frauen in Neu-Ulm

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Mit einer Vernissage der Künstlerin Tanja Hanser und „Trommeln gegen Gewalt an Frauen“ lässt der Notruf für Frauen das Jubiläumsjahr 2018 ausklingen

1988 wird der Notruf für Frauen als Modellprojekt anerkannt und für 4 Jahre vom Bayerischen Staatsministerium gefördert. Zwei Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Neu-Ulm teilen sich eine Stelle. Da die Anonymität des Frauenhauses gewahrt bleiben muss, finden die Beratungen telefonisch oder außerhalb des Frauenhauses statt. Es gibt zusätzlich  nachts und an den Wochenenden eine Rufbereitschaft, die zum Teil von den aktiven Mitgliedsfrauen des Vereins Frauen helfen Frauen Neu-Ulm e.V. und den Mitarbeiterinnen des Frauenhauses abgedeckt wird.

1993  geht die staatliche Projektfinanzierung in eine Festbetragsbezuschussung über. Zusätzlich wird  der Notruf für Frauen von den Landkreisen Neu-Ulm, Günzburg, temporär der Stadt Senden, sowie der Stadt Neu-Ulm und der Arbeiterwohlfahrt Neu-Ulm finanziert. Das aber ist Jahr für Jahr bis heute sehr streng kalkuliert und bedeutet für die AWO Neu-Ulm jährlich einen Spagat an Kalkulation.

Die personelle und räumliche Trennung vom Frauenhaus Neu-Ulm erfolgt zum 01.01.1996. Die beiden Sozialpädagoginnen Anita Bay-Dieterle und Andrea Gaier, die sich von Anfang an die finanzierte Vollzeitstelle für den Notruf teilen, beziehen einen Raum im Clemens-Högg-Haus der Neu-Ulmer AWO. Hier muss die Adresse nicht mehr anonym bleiben und nun ist es möglich, dass die Beratungen im Haus stattfinden können und erstmals Gruppenangebote angeboten werden können.   Im selben Jahr findet erstmals eine angeleitete Gruppe für Frauen, die in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden, statt. Dieses Angebot besteht in regelmäßigen Abständen bis heute. dem letzten Umzug im Jahr 2002 befindet sich die Beratungsstelle in Neu-Ulm in der Silcherstraße 45.

Im November 1996 wird landesweit die Regelung mit der Rufbereitschaft nachts und an den Wochenenden insofern geändert, dass ab jetzt Frauen in Not außerhalb der Erreichbarkeit des Notrufes bei einer Sondernummer der Telefonseelsorge anrufen können und dort erste Informationen erhalten. Dadurch wurden die Notrufe und Frauenhäuser entlastet.

Bis September 2017, zum Renteneintritt von Frau Bay-Dieterle bilden die beiden Sozialpädagoginnen das Notruf-Team.  Ab Oktober 2017 übernimmt die Sozialarbeiterin Anneliese Wolf die Stelle und wird neue Kollegin von Andrea Gaier.

Seit Beginn der Notrufarbeit bis zum Beginn des Jubiläumsjahres 2018 haben rund 12000 telefonische Beratungskontakte stattgefunden und es fanden sich rund 6000 mal Frauen zur persönlichen Beratung ein.   Schwerpunktthemen waren Sexuelle Gewalt, wie Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch in der Kindheit und sexuellen Übergriffen und Belästigungen in öffentlicher, beruflicher und privater Umgebung – unabhängig davon, wie lange die Tat zurückliegt. In der Beratungsstelle bekommen die Frauen parteiliche Unterstützung, um das Erlebte zu verarbeiten und wieder Selbstwert zu entwickeln. Bei Bedarf erhalten sie von den Mitarbeiterinnen Beistand und Begleitung zum Beispiel zu Ärzt*innen, Rechtsanwält*innen, Polizei und Gericht. Manche betroffene Frauen nahmen das Angebot nur einmalig an, andere kamen mehrmals und für einige ist die Beratungsstelle ein wichtiger Anlaufpunkt für einen längeren Zeitabschnitt geworden.

Am 8. März 2018 war die offizielle Jubiläumsfeier mit geladenen Gästen und Festreden unter anderem von Ekin Deligöz von den Grünen, die in ihrem Vortrag besonders über die Forderungen an die Politik zur besseren staatlichen Finanzierung von Frauenhäusern und Notrufen eingegangen ist. Weiteren wurde vom Notruf, wie schon zum 20jährigen Jubiläum 2008, eine Plakataktion „Männer gegen sexualisierte Gewalt“ kreiert, an der wieder viele bekannte und weniger bekannte Männer aus Neu-Ulm und Umgebung teilgenommen haben. Ebenfalls im Rahmen des Jubiläumsjahres wurde eine Fortbildung zum Thema „TRIMB u. Traumatherapie“ mit der Traumatherapeutin Ellen Spangenberg angeboten. Diese Fortbildung wurde so gut angenommen, dass in 2019 noch ein Vertiefungsseminar stattfinden wird. Die Künstlerin Tana Hanser hat eigens für den Notruf ein Wohltukartenset entworfen, das sich nicht nur als Geschenk sehr gut eignet, sondern auch für die Arbeit mit den betroffenen Frauen gut einzusetzen ist.
Dieses und weitere Kunstwerke der Künstlerin konnte man auch an der Jubiläumsabschluss Veranstaltung zum Internationalen Gedenktag gegen Gewalt an Frauen (24.11.2018, wegen Totensonntag einen Tag vorverlegt) erwerben. Die Trommellehrerin Monika Burkhardt lud alle Gäste ein, mit einfachen Rhythmen zu trommeln und laut zu sein, als Zeichen dafür, dass  wir keine Gewalt gegen Frauen wollen und für ein friedvolles respektvolles und gleichberechtigtes Zusammenleben zwischen Männern und Frauen einstehen.

 v.l.n.r.: Monika Burkhardt, Anneliese Wolf, Andrea Gaier, Tanja Hanser
Foto: Diana Seiler (die abgebildeten Personen erklärten sich für die Veröffentlichung bereit)

siehe auch: Plakat Männer gegen…2018

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